Helge & The Firefuckers in der Naturbühne Steinbach - Langenbach am 21.08.99
(von Torsten Hanft)

Kurz vor 19 Uhr kam ich in der Naturbühne in Steinbach-Langenbach an. Einige Fans hatten sich trotz der Kälte schon angesammelt - ungefähr 5 Helge Doubles brachten Stimmung in die Bude und heizten das Publikum mit Laola-Wellen ein die aber bei Konzertbeginn nicht abgebrochen werden sollten.

Dann um 20.05 Uhr war es soweit. Die Band kam auf die Bühne, zuletzt Helge, der mit einem super Outfit aufwartete (grünliches Hemd, blaue kurze Hose, darunter eine blaue Strechthose). "Guten Tach. So nun gleich das erste stück es heisst... dieter zurwehme... ach nee" begann Helge die Show. Natürlich war das erste Stück "We are the Firefuckers" das Helge auf Zuruf aus dem Publikum spielte. Da es ihm trotz der Kälte zu warm wurde zog sich Helge immer mehr aus - unter seiner Kleidung verbarg sich noch eine gelbe Weste und eine rote kurze Hose.

Riesen Stimmung im Publikum - "Thüringer Rostbratwurst-Wellen" bezeichnete Helge die Laola-Attacken die nach fast jedem Lied aufkamen. Selbst Helge und seine Band machten mit. Man muss sowieso sagen dass alle sehr gut gelaunt waren. Und schon kam das nächste Lied mit dem Titel "Doing De Doing Doing". Ein neuer Hit der auch voll abging. "Nächte in weißen Sachen - gewaschen mit AEG - aus erfahrung gut". Das war aber leider das einzige Stück das Helge auf deutsch übersetzt hat. Sonst blieben die Lieder meist beim Original.

Helge stellte natürlich die Band vor: "Thommy Jordy kommt aus der Schweiz. Die Schweiz ist ja der Sack Europas, würde man ihn entfalten wäre die Schweiz so groß wie Thüringen...Gleithmann wohnt für 4000 DM kalt in einer 10 qm wohnung bei mir zur Untermiete, er bekommt aber nur 200 DM Rente, deswegen macht er hier mit"

"Es ist so schön in Chemnitz" provozierte er das Publikum das dann öfters Buh-Rufe von sich gab. "War doch nur ein Spaß!" Im Anschluss daran wurde es kirchlich. Helge als Pfarrer, Thema der Predigt: "Warum rauchen wir in der Natur? Die armen Tiere müssen mitrauchen obwohl sie nicht wollen...und warum will der Mensch fliegen wenn Gott ihm die Fähigkeit nicht gegeben hat?" Zum Abschluß des Gottesdienstes brachte Helge seinen "Weihnachtssong (Ja-Ja)" der sich dann in "Menschen wollen poppen - jaja, immer poppen - jaja" umgewandelt wurde.

"Hier in dieser Naturkatastrophe ähh Naturbühne". Endlich kam Hey Joe - Eric Saint Laurent hatte bei diesem Stück ein sehr geniales Solo - ich muss sagen, er spielt sowieso sehr sehr gut Gitarre. Doch Helge zeigte auch seine Künste in dem er wie Jimmy Hendrix mit Zunge und Zähnen und mit Gitarre aufm Rücken gespielt hat. Nachdem Helge die "Samba"-Wellen forderte musste natürlich ein Lied bei dem das Publikum mitsingen kann gespielt werden. Und was bietet sich besser an als Katzeklo? Doch der Text war doch etwas anders als im Original: "Eine Oma hat eine Katze ganz dick gefüttert und im Supermarkt stellt der böse Supermarktbesitzer das teure Katzenfutter unten hin weil die oma nicht nach oben gucken kann. Und einmal nimmt sie das billige Futter und fliegt ins obere Regal - dann rutscht sie auf ihrer Muschi aus."

Vor der Bühne war ein Orchestergraben weshalb Helge nicht so lange spielen wollte "Ich darf heute nicht zu laut spielen, denn die Leute vom Orchester die da drin schlafen wollen auch ihre Ruhe. Außerdem haben wir hier mitten im Wald auch Nachbarn. 2 Eichhörnchen und einen Hasen"

"Das nächste Lied handelt von Politikern, da gibts soviel die noch doof sind. Der Papst... oder Thierse - Bernd Thierse". Los gings also mit "Die Herren Politiker" bei dem Wajiru mitgesungen hat. Wobei mir Nathalie Roxy immer noch besser gefallen hat. Denn Wajiru hat eigentlich nur getanzt und nur bei "Politiker" und "Copacabana" mitgesungen. Herausheben muss man natürlich die Tanzeinlagen von Gleithmann, Wajiru und Erwin ("Erwiiin? Lass mich hier nicht alleine in der Tropfsteinhöhle"). Besonders beim Stück "Mädchen wollen küssen" gabs eine Danceperformance allerfeinster Güte.

Ein Highlight war natürlich der "Klapperstrauß". Eine sehr geniale Version des Songs bei dem Gleithmann den Klapperstrauß spielte und Helge von ihm die ganze Zeit weggerannt ist "Hilfe, Hilfe der Klapperstrauß". Was auch noch anzumerken ist, Helge machte keine Pause. OK, es gab ein geiles Schlagzeugsolo von Zak Domino bei dem Helge sich hinter der Bühne sein aus Karton gebasteltes Auto angezogen hat.

Helge wurde es immer wärmer so dass er bei "Room to room with the devil" nur noch seine kurze rote Hose anhatte. Die Haare hingen ihm wie bei Kurt Cobain ins Gesicht. Auch ein Abstecher in die Schlagerwelt durfte nicht fehlen. "Im Wagen vor mir fährt ein junges Mädchen - so schön mit 90" sang er zum Sound von "Telefonmann". Es war nicht verwunderlich dass er auch das "Rennsteiglied" gesungen hat, da dieser nicht weit von der Natürbühne entfernt ist.

"Bald treten hier auch die Puhdys auf hab ich gelesen... Karat ist auch ne gute Band. Mein Kind würde ich gerne Karatpuhdy nennen - kapu komm her. Oder Puhdykarat - puka... oder kennt ihr Puki der Bär? Das war so ein Dreieck mit Haaren und Beinen" Als Helge vor die Bühne auf dem Sand spazierte trafen ihn öfters ein paar Laserpointer aus dem Publikum am Bein. "Die wollen wohl meine Beine zerschießen. Oder meinen Sack. Aber ich geh wieder auf die Bühne, sonst werd ich impotent". Während er auf die Bühne ging fand er im Sand noch kurz das Gebiss von Karel Gott und eine Gitarrensaite von Jethro Tull "die Playbackband". "Das ist doch einen riesen Applaus wert" fand Helge, als er die Stufe zur Bühne wieder bestieg.

"Beside the snake" durfte nicht fehlen, Gleithmann versuchte Luftschlangen zu öffnen das ihm aber nicht oft gelang. "Gleithmann strickt seit seinem 9. Lebensjahr an einem Wintervorhang für die Naturbühne - wenigstens einer macht was mit ickt" - so begann Helge das Lied "Copacabana" bei dem er bewusst sächsisch sang und sehr übertrieben hat "Copacabanäääääääääääääääääääääääääää". Es war unglaublich lustig. "Ich muss euch sagen hier ist es viel besser als bei dieser scheiß Waldbühne in Berlin" beschloß Helge das Konzert. Natürlich gabs noch Zugaben "Telefonmann" "A whiter shade of pale". Das wars dann aber nach gut 2 1/2 Stunden und mir persönlich hat es sehr gut gefallen. Helge hat eine spitzen Truppe zusammen die wirklich sehr gut abrocken kann. Besonders Zak Domino der immer Spaß hatte - besonders bei den LaolaWellen. Bisher für mich das beste Helge Konzert das ich live miterleben durfte. Wirklich empfehlenswert.

Torsten Hanft