Bericht über Helge´s Konzert in Freiburg
am 12. Juli 1997

von Oliver Krämer

Ich hatte Helge bei seiner vermeintlich letzten Tour drei mal gesehen - in Freiburg, Stuttgart und Kirchheim, wobei der letzte Auftritt der beste war, da er in einer kleinen Halle stattfand, die Helge innerhalb kurzer Zeit zum Kochen brachte. Nach allen drei Auftritten habe ich Helge auch persoenlich getroffen, Fotos gemacht und Autogramme abgegriffen. In Kirchheim habe ich ihm auch erzaehlt, dass ein Freund von mir aus Amerika, der ein Jahr in Freiburg studiert hat, seine Diplomarbeit ueber "Sozialkritische Momente im Werk Helge Schneiders" schreiben wird.

Ich war also happy, als ich erfuhr, dass Helge in meine Stadt kommen wuerde, um beim alljaehrlichen Zeltmusikfestival aufzutreten. Ich war glaube ich so ziemlich der erste, der Karten gekauft hat, aber die ersten Reihen waren leider schon reserviert. Am Konzerttag war es sehr heiss, was sich natuerlich innerhalb des Zeltes noch potenzierte. Schon nach den ersten paar Minuten des Auftritts bemerkte ich, dass Helge irgendwie nicht so gut drauf war. Er hat sich gar nicht erst die Muehe gemacht, seine Stimme zu verstellen. Seine sonst grandiosen improvisierten Sprech-Parts waren relativ lasch und unoriginell. Ihm fiel nicht viel Spontanes ein, was er an einer Stelle auch direkt gesagt hat. Er meinte mehrere Male, es sei viel zu heiss im Zelt.

Nach einiger Zeit war es ihm dann offensichtlich zu dumm, er sagte er wuerde mit dem Hund spazieren gehen und ist einfach von der Buehne gegangen. Natuerlich dachte das Publikum zuerst an einen typischen Gag, aber es zog sich immer laenger hin, und inzwischen hatte auch die Band die Buehne verlassen. Nach vielleicht 15 Minuten Warten, in denen das Publikum verstaendlicherweise ungeduldig wurde und zu pfeifen begann, kam ein Mitarbeiter der Veranstalter auf die Buehne und meinte, es sei durch die Sommerhitze und die Scheinwerfer unertraeglich heiss, aber Helge wuerde nochmal kommen. Das geschah dann auch, und Helge kam mit neuen Klamotten und barfuss wieder auf die Buehne. Er zog aber die letzten paar Instrumental-Nummern lustlos herunter. Er hatte einfach keinen Bock.

Ich war sehr enttaeuscht, da es bei dieser Tour das einzige Konzert in meiner Naehe war, und ausgerechnet dieses war ein Reinfall. Ich halte Helge fuer einen Profi und war erstaunt, dass er unter erschwerten Bedingungen nicht in der Lage war, eine professionelle Show durchzuziehen. Als er nach der langen Pause wieder auf die Buehne kam, meinte er, er haette das Konzert lieber abgebrochen und das Geld zurueckgegeben, aber die Veranstalter waren dagegen. Viele hielten das wohl fuer einen Gag, aber er meinte es ernst. Wenigstens ist er ehrlich...

Ich weiss nicht, was sich hinter den Kulissen abgespielt hat und was alles zu Helges schlechter Stimmung beigetragen hat. Es ist klar, dass jeder Kuenstler mal einen schlechten Tag hat, aber fuer einen gespannten Fan ist es schon schade, wenn die Show so verlaeuft. Deshalb bin ich dann doch noch zu einem anderen Konzert gegangen, naemlich nach Berlin. Helge stand fast 3 Stunden auf der Buehne und es war vom Feinsten, was natuerlich fuer den Reinfall in Freiburg entschaedigt hat.

Ich freue mich schon sehr auf die neue Platte und Tour. Ich bin bis Ende April in Kanada und hoffe deshalb, die Solo-Tour geht laenger als April - denn wer will sich das schon entgehen lassen...

12/97 by Oliver Kraemer

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