06.03.99 - München Bongo Bar

Um ca. 18.45 Uhr kamen wir bei der Bongo Bar beim Kunstpark Ost an. Eine kleine Menschenmenge hatte sich schon vorm Eingang versammelt. Davor konnte man schon mal einen Blick auf die Bühne werfen da der Künstlereingang geöffnet war. 19.00 Uhr - es war soweit, die Türen wurden geöffnet. Leider gab es einige die keine Karten reserviert hatten, die mussten dann noch aussortiert werden. Außerdem bekamen die, die Karten reservierten keine richtige Karte sondern nur einen Eintrittstempel mit der Aufschrift "Kinderpost" (ungelogen). Das war schon organisatorisches Chaos.

Zum Glück bekamen wir einen sehr guten Platz in der 2. Reihe genau gegenüber von Peters Schlagzeug. Peter lief auch ab und an durchs Publikum bevor er dann hinter der Bühne verschwand um sich in sein gewagtes Kostüm zu zwengen. 20.25 Uhr mit leichter Verspätung wars endlich soweit, Helga kam auf die Bühne. Sehr gut gekleidet - wie man auch in der Harald Schmidt Show sehen konnte. Er begann die "Show" mit einem E-Gitarren-Stück, bei dem Helga voll abrockte.

Danach gings gleich an die Orgel zum lesen. Helge dichtete an einige Stellen etwas hinzu - das machte die Sache noch lustiger als sie eh schon war. Peter Thoms wurde auch wieder benutzt um des Lesers Phantasie zu erleichten indem er ihn in die Story mit einbaute. Wenn es immer um Helgas Mann ging, der total nach Schweiß riecht beim poppen zeigte Helga auf Peter. Dieser steckte das ein und brachte keinen Ton raus. Oh, da hab ich mich geirrt. In einem Musikstück gab Peter ein Solo und da brachte er natürlich wie immer seine wundervolle Stimme zum Einsatz.

Die Luft in der Bongo Bar war so dick dass Helga die Brille absetzen musste um überhaupt noch was sehen zu können. Nach einigen Strip-Einlagen war Helga befreit von Mantel, Hut und Perücke. Diese landete auf dem Piano das sie nur einmal benutzte. Natürlich war die Lesung gespickt von Coverversionen. "Killing me softly", "I am sayling", "My Generation" und "Nights in white satin" wurden unter anderem gespielt.

Peter Holl der 15 jährige Junge durfte auch mit der Trompete gekonnt umgehen - und er konnte es wirklich. Einmal spielte er Trompete und die beiden anderen verschwanden hinter der Bühne. Der Junge war auch gut zum Zigaretten holen, die Helge gekonnt rauchte. Zwar hat Peter Holl 2x seinen Einsatz verpasst, wahrscheinlich wegen dem Bier das er auf der Bühne getrunken hatte und dass Helge aus versehen umgestossen hatte. Die beiden "Petris" hatten sichtlich ihren Spass, da Helga stimmlich alles versuchte das beste aus dem Buch rauszuholen. Publikum war total begeistert. Besonders als Helga Tee trank und sagte: "Ahh lecker Tee" rastetet die erste Reihe die genau vor ihr saß total aus. Da musste sie natürlich noch einmal "Ahh lecker Tee" sagen, doch da waren die eigentlich ganz ruhig. "Komisch, die Reaktion war doch vorhin ganz anders".

Zum Abschluss ist Peter Thoms noch das Schlagzeug zusammengebrochen und Helge gab seine wahre Identität preis. "Ich bin in Wirklichkeit Helge Schneider". Die beiden Peters konnten es nicht glauben. Es gab noch den "Blues in C" und Helge verabschiedete sich aus der restlos überfüllten Bongo Bar, die wirklich hätte besser organisiert sein können. Alles in allem ein gelungener Abend - die Coverversionen haben mir sehr gut gefallen, Eiersalat on rock wird daher schätzungsweise auch ein Knaller.

Tschö, Torsten

Eiersalat in Basel - "Die zwei Doofen und das Superhirn" live im Atlantis

Wieder mal machte sich beim Besorgen der Tickets das Klap-Gaestebuch bezahlt, denn das Atlantis war nie telefonisch erreichbar. Bruno aus Schaffhausen besorgte fuer uns Tickets, und so sassen Sabine aus Essen und ich am 7.Maerz im Zug Richtung Basel. Ich hatte "Eiersalat" zu diesem Zeitpunkt schon gelesen - eine kurzweilige Lektuere, typisch Helge, aber nicht so abgedreht und surrealistisch wie die 00 Schneider-Buecher. Gut gefaellt mir, wie Helge die Emanzipationsbewegung auf die Schippe nimmt und durch seine doppelboedige Sichtweise stereotypische Reaktionen der Frauen kommentiert. Auf der Oberflaeche scheint die Frau die Ueberlegene zu sein, in Wahrheit aber richtet sie sich in ihrem Verhalten doch nach dem Mann, sie versucht es nur zu vertuschen. Interessant auch, dass das Werk urspruenglich als Kochbuch geplant war. Wie es dann halt bei Helge so ist, entwickelt sich beim Schreiben was ganz Neues daraus. Die Zeichnungen sind auch wieder gut, allerdings passen die meisten inhaltlich nur zu den ersten Seiten des Buches. Meine Lieblingsstelle ist die Geburt des "Unbekannten", die Helga dann auch bei den Lesungen rezitierte und die auch Harald Schmidt besonders beeindruckte.

Das Atlantis ist eine Kneipe mit einem balkonartigen zweiten Stock, ideal fuer eine Veranstaltung in intimer Atmosphaere. Wir waren schon relativ frueh da und hatten dadurch die einmalige Gelegenheit, Helge & Co. beim Aufbau und Soundcheck zuzuhoeren. Helge packte selbst mit an und sass dann zu ein paar Jazz-Improvisationen am Klavier. Danach kam er von der Buehne und wir begruessten ihn erst mal. Er erinnerte sich noch an uns und unser Treffen nach dem legendaeren Muelheim-Konzert im letzten Jahr. Wir liessen uns Eiersalat-Karten signieren, und Helge verabschiedete sich zum Essen in den oberen Stock.

Mittlerweile waren auch Bruno & Co. eingetroffen, und wir hatten Zeit zu fachsimpeln. Ralph erzaehlte, dass er Helge gern fuer einen Auftritt waehrend der Sommertour nach Schaffhausen holen wuerde. Das Atlantis war inzwischen sehr voll und viele mussten stehen. Mit Verspaetung kamen die Kuenstler auf die Buehne, Helga im bekannten Outfit, Peter Thoms mit Pelzmuetze und ohne Pumps, der 15-jaehrige Trompeter Peter Holl als einziger in normalem Outfit, allerdings schien es sich dabei um seinen alten Konfirmationsanzug zu handeln. Das Programm duerfte inzwischen bekannt sein, es besteht aus einer Mischung von Lesung und Musik: Helga sowohl an der Gitarre als auch an der alten Farfisa-Orgel bzw. am Klavier. Helge beschreitet neue musikalische Pfade, denn diesmal spielt er keinen Jazz (ausser kurz am Ende), sondern covert ausschliesslich englischsprachige Klassiker wie Stairway to Heaven, My Generation (spaeter dann auch bei Schmidt), Killing Me Softly, Nights in White Satin (spaeter auch bei der Grimme-Preisverliehung), Child in Time, Sailing, Blue Eyes, usw. Dabei scheint er alle Noten aus einem Buch rauskopiert zu haben.

Durch den Aufbau der Lesung blieb relativ wenig Raum fuer Improvisation. Ab und zu ging er auf Zuspaetkommer ein, es wollten ihm aber nicht so richtig witzige Sachen einfallen und Ansaetze zu Improvisation blieben stecken. Er beschwerte sich dann auch, dass es zu verraucht und warm sei. So entblaetterte er sich zusehends, bis er schliesslich nur noch im umwerfenden Kleid mit hochsitzendem Guertel und Wanderstiefeln da stand, sehr zur Freude des Publikums. Irgendwann fiel dann auch noch die Baxter-Peruecke, und die Vermutung, es handele sich vielleicht gar nicht um eine Frau, wurde - unter Protest der Mitmusiker - von Helge selbst bestaetigt. Einmal meinte Helge, er haette keine Lust mehr weiterzulesen, mache es aber trotzdem. Wie immer ging Helge auf die Stadt ein, beschwerte sich ueber die "Fastnacht fuer Doofe", die auch wir vor der Lesung noch in der Stadt erlebt hatten. Einmal bemerkte er einen Fotografen, posierte fuer das Bild, drehte sich aber im letzten Moment weg.

Die Lesung ist nicht so umwerfend, wenn man das Buch bereits kennt, denn es sind natuerlich die Gags schon bekannt. Helge versteht es aber trotzdem, durch Verstellen der Stimme und unvergleichliche Mimik Abwechslung ins Spiel zu bringen. Das Buch lebt erst auf, wenn der Verfasser es liest. Den Peters wurde es wohl ab und zu auch langweilig, denn sie stritten sich staendig um einen Schlagzeugstock und versuchten, neuen Wein zu bestellen. Peter wird natuerlich nach wie vor von Helge verarscht, so kommt er angeblich aus dem Yellowstone-Park in Illinois (!) und sie wurden auf dem Weg in die Schweiz wegen Verdachtes auf Prostata angehalten. Helge dichtet gelegentlich einiges spontan dazu, liest zunaechst von Anfang an, dann nur noch sporadisch einzelne Stellen, zeigt Bilder und erwaehnt auch die etwas entstellte HP-Adresse.

Insgesamt ist das Programm gut, hat aber gewisse Laengen. Die Musik ist nicht unbedingt mein Geschmack, ich bevorzuge Helge beim Jazzen, weswegen der Jazz-Souncheck musikalisch fuer mich fast gelungener war als die Cover-Versionen. An ein richtiges Konzert von Helge, wie wir es kennen, kommt die Lesung in keinem Fall heran. Wenn man allerdings bedenkt, was normalerweise bei einer Lesung passiert, so wird hier schon viel geboten. Allein das tolle Kleid von Helga ist den Eintrittspreis wert...

Leider konnten Sabine und ich nach der Lesung nicht mehr bleiben, um mit Helge zu sprechen, da die Zugverbindungen sehr mies waren. Bruno & Co. hatten noch die Gelegenheit, ueber Zwischenrufer usw. mit Helge zu reden, und vielleicht klappt es ja im Sommer mit einem "Eiersalat in Rock"-Konzert in Schaffhausen. Vielen Dank an Bruno fuer das Besorgen der Tickets und an Sabine fuer die Begleitung!

Lesen Sie demnaechst in dieser Reihe: Lesung in Koeln, Helge live bei Schmidt und der Super-Auftritt im Cinemaxx Essen.

Oliver Kraemer


BERICHT VON DER LESEREISE AM 10.3.1999 IN BOCHUM

Soeben zurückgekehrt von der Lesung in der Mayerschen Buchhandlung in Bochum, hier der sofortige Lagebericht: (1:30)

"Noch immer stehe ich unter dem enormen Eindruck dieser Kulturveranstaltung der Extraklasse, die nicht nur mich, sondern auch alle anderen mitgereisten Frauen in ihren Bann zog.

Da stand eine Frau auf der Bühne, wie sie im Buche steht, und zwar in dem Buch "Eiersalat". (Der Eiersalat kam daher, als Helga Maria Schneider einmal auf einer Reise nach Griechenland einem Steward voll mit dem Wanderstiefel (aus Versehen) zwischen die Beine getreten hat).

Helga Maria Schneider las aus seinem Buch in einer Art und Weise, daß es selbst für den geübten Literaten kein Zuckerschlecken wurde.

Eine Autorin, die kein Blatt vor den Mund nimmt, die die Dinge beim Namen nennt, so wie sie in ihrer brutalen Realität auf uns herniederprasseln. Ja, Frau Schneider rechnet schonungslos ab mit einer Gesellschaft, die wohl noch immer nicht in der Lage zu sein scheint, emanzipierte Frauen, die sich auch mal nicht scheuen, häßlichen Männern nach dem Paarungsvollzug (mit geparktem Diaphragma) die Fresse zu polieren, zu tolerieren.

Diese Frau weiß, was sie denkt. Und sie schreibt es auch auf und liest es sogar vor ! Die knallhart recherchierten Erlebnisse dieser Powerfrau erwischen den Zuhörer mit einer solchen Wucht, mit so unmißverständlicher und kompromißloser Konsequenz, daß einem schon etwas übel wird und man immer fast kotzen muß, so wie die Männer, die Frau Helga Maria Schneider immer verhaut.

Begleitet von einer sehr einfühlsam agierenden Band, bestehend aus Peter, einem rotbepumpsten Percussionsakrobaten (studierte bei Samy Molcho), und Peter, der sich in den letzten zwei Monaten seines fünfzehnjährigen Lebens ein Instrument erarbeitete, was durch einen zur Musik passenden Trompetenton überzeugte, kam der Besucher zudem noch in den Genuß einiger avantgardistischer Klangexperimente, die wohl damals auch schon Deep Purple und die Beatles inspiriert haben müssen. Auf Gitarre (unterstützt durch einen Gasofen mit Kabel), Orgel (mit Fußbaß, transportabel) und Klavier (Kawai, nicht benutzt, aber sehr, sehr schick, weil schwarz glänzend) bot die Autorin in Begleitung der Peters / Petri / Peträ / Pay-tivi eine gelungene Melange aus Literatur, Musik und Kostüm. (Und Gestank) Nur sollten die beiden Angestellten vielleicht mal diese albernen Mätzchen hinter ihrem Rücken sein lassen, wenn die Chef gerade mal nicht guckt.

Zum Ende der Veranstaltung überraschte uns Frau Helga Maria Schneider mit einer Überraschung, genauer gesagt, mit einer Demaskierung, sie gab nämlich ihr Pseudonym auf und sich als der bekannte Mülheimer Lyriker Helge Schneider zu erkennen ! Ein Raunen ging durch die Menge der fast 200 Gäste, denn damit hatte man nicht gerechnet - ein verkleideter Mann auf einer reinen Frauenveranstaltung ! Dennoch zeigte sich das Publikum hinsichtlich dieses Skandals überraschend gelassen, war man doch in den Genuß eines hervorragenden Vortrags aus dem Bereich der emanzipatorischen Frauenliteratur gekommen, an dem sich andere Männer auch mal ein Beispiel nehmen sollten ! Und das nicht nur zu Ostern !

Und dem Tip, in dem allgemeinen Tohuwabohu ein paar Bücher mitgehen zu lassen, sind natürlich auch alle gefolgt, nur hatte Helge wohl nicht damit gerechnet, daß es ausschließlich seine Bücher sein würden (und nicht etwas die aus der Pornoabteilung), und er sie dann auch noch alle selber bezahlen mußte ! Also ein gelungener Abend für den Verlag Kiepenheuer und Witsch, der wohl jetzt erstmal ausgesorgt haben dürfte. Helge wird wohl, in Anbetracht dieses Schuldenberges, nichts anderes übrig bleiben, als die in Mülheim live aufgenommene CD nun doch noch zu veröffentlichen, um der jetzt entstandenen Kosten vielleicht doch noch Herr zu werden... Dennoch, ein Buch, das man sich auch selber kaufen könnte, zeigt es doch diese Gesellschaft einmal von der realen, harten Seite - eine Ohrfeige für die Männerwelt !

Tim Kersebohm


BERICHT VOM 11.3.99 IN KÖLN

Hi, ich bin's mal wieder!

Ich bin nicht im KLAPPERSTRAUß-Fan Club. So, da das gesagt wäre: ich war am 11.3.99 in Köln und habe Helga Maria Schneider live gesehen!! Ist bestimmt noch zu spät für nen Konzertbericht, aber ich mach trotzdem einen!!

Zuerst: es war ja total geil...bis auf die Anlage, die war Scheiße (Helga weiß, wovon ich rede...); und die doofen Organisatoren...die haben die Stühle so da hingestellt, daß der nächstvorderste Stuhl schon da anfing wo ich - als 2 METER Kandidat - meine Kniescheibe habe! Das war voll Scheiße zu sitzen... aber wie gesagt: das Programm war super (also ich fand's gut).

Ich war positiv überrascht von den musikalischen Einlagen, die da gebracht wurden...da war von "Nights in white satins", über "My Generation" bis hin zu "Sweet child in time" alles da! Sogar ein "Blues in C" hatte nicht gefehlt! Tja, die beiden Peters: von denen war ich ja noch begeistert; das sind ja alles SUPER-MUCKER (also Super Musiker). Als Tenor-Saxophonist habe ich natürlich Wut auf Helga bekommen, als diese am Schluß von "Sweet child in time" eine Halbtonrückung einbaute. Der Trompeter Peter Holl - TOP LEISTUNG AN DIESEM ABEND, MEIN JUNGE - (Trompete, ebenfalls Bb-Instrument, wie T-Sax) wirkte ja dann doch bemüht die neue Tonart rauszufinden. Helge kloppte noch 'n SOLO rein und rief plötzlich nach hinten "Blues in C"...weitere musikalische Höhepunkte waren unter anderem noch Helgas Orgelsolo mit der Baßklaviatur - also ein Solo mit den Füßen!! Das war ganz nett anzuhören. NAtürlich nicht zu vergessen sind Peter Thoms' Einlagen mit den Drumsticks - sowohl damit spielend als auch die Stick zurechtlegend - wer dabei war, versteht was ich meine... Leider habe ich gar nix mehr von dem Buch behalten, also ich weiß nicht mehr von dem was vorgelesen wurde, wahrscheinlich muß ich mir das Buch jetzt kaufen! Das muß ich sowieso machen, weil Helga uns gewarnt hatte das nicht zu tun. Diese kleine Konzertbeschreibung möchte ich dann - genau wie Helga - mit einem Zitat von Heinrich...Goethe beenden, der mal gesagt habe soll: "TSCHÜß!"

P.S.: Helga, komm mal in die Altstadtschmiede Recklinghausen zur Jazz-Session. Wenn du keine Lust hast, dann sag deinem Zwillingsbruder Helge bescheid, vielleicht kommte er ja.

von Oliver Karaula (oliver.karaula@uni-duesseldorf.de)


Frauenpower in Koeln
Helga Maria Schneider live
in der Mayerschen Buchhandlung
und in der Harald Schmidt Show

Ulrich, ein guter Freund von mir aus Amerika, der ein Jahr in Freiburg studiert hatte, wurde von mir bei eben dieser Gelegenheit an Helge "herangefuehrt" und zum Fan gemacht (u.a. 00 Schneider im Kino). Er schrieb dann sogar, so unglaublich dies auch klingen mag, seine Uni-Abschlussarbeit in den Staaten ueber "Sozialkritische Elemente in Helge Schneiders Werken". Leider hatte Ulrich nie die Gelegenheit gehabt, den Chef persoenlich kennenzulernen, aber wie es der Zufall wollte, plante er einen Europa-Besuch waehrend Helges Lesungstournee. Da ich auch ein grosser Harald Schmidt-Fan bin und mir die Show auch mal im neuen Studio 449 live anschauen wollte, haben wir das gleich mit der Eiersalat-Lesung verbunden.

Ulrich kam am Dienstag Abend in Freiburg an, und wir sassen die ganze Nacht vor dem Computer, um seiner Helge-Arbeit den letzten Schliff zu geben. Bei dieser Gelegenheit las ich die Arbeit zum ersten Mal und musste feststellen, dass es sich lohnt, sich mal ernsthaft mit Helges Texten auseinanderzusetzen, da schon sehr viel mehr dahinter steckt, als man auf den ersten Blick vermuten wuerde. Frueh morgens nahmen wir dann den Zug nach Koeln, denn wir hatten schon fuer Mittwoch Tickets fuer Schmidt. Am Donnerstag sollte dann die Lesung in Deutschlands groesster Buchhandlung sein, allerdings haben die mit solch einem Ansturm wohl nicht gerechnet. Die Mitarbeiter verloren irgendwann die Kontrolle und wurden regelrecht ueberrannt. Die Fans sassen nicht nur auf den Stuehlen vor der kleinen Buehne, sondern auch auf dem Boden oder improvisierten Sitzgelegenheiten neben der Buehne. Da ich als erster die Rolltreppe raufkam, hatte ich freie Platzwahl. Ich erspaehte dann irgendwann Martin und unterhielt mich kurz mit ihm. Er war ziemlich im Stress, hatte im Stau gestanden und musste noch seine Kamera aufbauen (dieses Tape kann ich schon jetzt empfehlen!).

Helga betrat den Raum und musste sich erst mal durch die Leute zur Buehne durchkaempfen. Peter Thoms war etwas vornehmer angezogen als in Basel, diesmal naemlich mit den roten Pumps und kleidsamem Seidenkopftuch, Peter Holl wie gehabt mit seiner coolen Sonnenbrille. Helge war an diesem Abend sehr gut drauf - es war ja auch die (vorerst) letzte Lesung, bei der er sicher nochmal so richtig Gas geben wollte. Diesmal war er spontaner und improvisierte mehr, die Gags sassen. Kurz nach Beginn wollte er was zu trinken und beschwerte sich ueber die schlechte "Bedienung" im Haus, die dann in Form des Chefs der Mayerschen eine Sprudelflasche auf die Buehne reichte, nachdem Helge mit dem leeren Mueller-Drink eines Zuschauers nicht zufrieden schien. Zur Belustigung trug der hauseigene Verstaerker bei, der wohl einen Kurzschluss hatte und immer mal wieder vor sich hinbrummte, worauf er von Helge kurzerhand getreten wurde. Helge forderte das Publikum unverhohlen zum Buecherklau auf, denn "noch sind wir in der Ueberzahl". Er betonte extra noch, dass sich die pornographischen Sachen im obersten Stock befaenden, und zwar im Buero des Chefs...

In Koeln las Helge mehr und musizierte weniger. Er hatte sichtlich Spass beim Lesen und musste desoefteren selbst ueber den von ihm verfassten Unsinn lachen. Das Buch war nach der zweiwoechigen Tour schon ziemlich mitgenommen, einzelne Seiten fielen heraus und wurden von Helge auch mal direkt in vier Teile zerknuellt. Ein Highlight war die Stelle mit Spiros und dem Eselskarren, die Helge bis zum Abwinken wiederholte. Peter Holl glaenzte mit tollen Trompetensolata und der alte Peter musste wieder diverse Beleidigungen (Prostata-Verdacht siehe Basel) ueber sich ergehen lassen. Zuspaetkommer und Fotografen wurden auch wieder mit boesen Kommentaren bedacht. Nach den englischsprachigen Nummern spielten sie am Ende noch einen improvisierten "Blues in C".

Nach der Lesung warteten wir auf Helge, denn Ulrich wollte seine Arbeit natuerlich persoenlich ueberreichen. Erst mal kam Elke Heidenreich aus der Tuer, sie hatte sich also auch nicht die Helgaschen Ausfuehrungen zu wichtigen Frauenthemata entgehen lassen wollen. Martin war im Vorraum, und ich ging zu ihm hin, um etwas zu plaudern. Irgendwann kam dann Helge dazu, und wir waren fuer ein paar Minuten mit ihm allein, da die anderen Fans vor der Tuer warteten. Ich stellte ihm Ulrich vor und erzaehlte von der Arbeit, allerdings schien es Helge nicht vom Stuhl zu hauen, da wohl schon mal jemand vor nicht allzu langer Zeit eine Arbeit ueber ihn geschrieben hatte. Ich gratulierte Helge zum Auftritt und meinte, es sei viel besser als in Basel gewesen. Ich sprach ihn auch noch auf die geplante Muelheim-CD an, denn ich war natuerlich schon enttaeuscht, dass er sie gecanncelt hatte, nachdem ich ja bei dieser Show dabeigewesen war. Dann wollte ich noch wissen, was es mit dem Auto auf sich hat, dass er laut Interview in der Berliner Morgenpost herausgeben will - war natuerlich nur ein Gag. Dann machten wir noch Fotos und liessen uns Autogramme geben. Ulrich erzaehlte, dass es sich gelohnt haette, extra wegen Helge aus Amerika einzufliegen, und Helge meinte darauf, sie koennten ja auch mal in Amerika spielen.

Es war auch noch ein Radio-Typ von RPR da, der zum Zug kam, als wir fertig waren. Helge war allerdings nicht sehr motiviert, die Fragen zu beantworten, und ging waehrend des Interviews raus, um den anderen wartenden Fans Autogramme zu geben. Der Typ versuchte verzweifelt, Helge ein paar Antworten zu entlocken. Ich stand dann neben der Buehne und Peter Thoms bat mich, ihm beim Oeffnen der Schlagzeugbox zu helfen, was in der Tat nicht einfach war. Zuvor hatte ich noch ein Foto mit ihm gemacht, wo er ganz stolz seine Pumps praesentierte. Ich hatte auch noch das Vergnuegen, kurz mit Till Oellerking, Helges Manager, zu reden. Dann hiess es wieder Abschied nehmen, aber am naechsten Tag stand ja schon Helge bei Schmidt auf dem Programm.

Helge und Schmidt sind sozusagen meine "humoristischen Idole", und daher war es natuerlich sehr exklusiv, an diesem Freitag im Studio 449 zu sitzen. Wir hatten schon geraetselt, ob Helga allein oder mit Band kommen wuerde, sich nur in den Sessel setzen oder auch was singen wuerde. "My Generation" mit den Zerlettos und ein paar helgetypischen Tanzeinlagen war natuerlich super. Man merkte, dass beim Interview nichts abgesprochen war. Schmidt verlaesst sich bei Helges Besuchen immer auf dessen Spontaneitaet und nimmt sich selbst ziemlich zurueck, wahrscheinlich auch deshalb, weil er genau weiss, dass man bei Helge eh kaum was planen kann. Bei Helges Buehnenpraesenz sind auch schon Pausen witzig, in denen nichts gesagt wird. Den Inhalt des Gespraechs von der Fussnagelschneideschere bis zur geplanten Verfilmung des Buches werden ja wohl alle kennen.

Nach der Show sind wir, wie am Mittwoch, zum Kuenstlereingang gegangen, um die "Stars" nochmal zu sehen. Tatsaechlich stand Helges Auto mit Gepaeck und Bergwanderstiefeln im Kofferraum hinter dem Gebaeude, und kurz darauf kam Helge auch schon raus, im Schlepptau Till, Martin und einen Security- Typen der Show. Ich sagte nur "Wir sind's mal wieder" und Helge erkundigte sich, ob wir auch in der Show waren. Ulrich liess sich noch sein Buch signieren und wir verabschiedeten uns per Handschlag vom Chef. Danach standen wir noch eine Dreiviertelstunde mit Martin auf dem Parkplatz und sprachen ueber Helge. Martin hatte mehr Zeit als bei der Lesung, der Stress war nun erst mal vorbei. Es war echt interessant und spannend, mit ihm zu reden, denn er erzaehlte eine witzige Helge-Anekdote nach der anderen, so erfuhren wir z.B., wie "Ich drueck die Maus" entstanden ist und vieles mehr. Zum Schluss wurden wir auch noch mit diversen Helge-Sachen beschenkt.

Damit war das tolle Koeln-Wochenende vorbei. Insgesamt war es ein voller Erfolg - zwei mal live in der Schmidt-Show (wobei ich am Mittwoch nach der Show ein Autogramm von Harald bekam und wir am Freitag vormittag nochmal auf ihn gewartet hatten, ich auch noch kurz mit ihm sprechen konnte, Fotos gemacht habe und nochmal ein Autogram bekam). Die Helge-Lesung war super, er war in besserer Stimmung als in Basel, und so was spuert man ja gerade bei Helge sofort. Das Highlight war natuerlich, Helge live bei Schmidt zu sehen. Ich dachte an einer Stelle nur: Da sitzen sie also nun nebeneinander, Helge und Harald, und ich nur ein paar Meter weg, schon sehr cool!

An dieser Stelle meinen Dank an Ulrich, ohne den das Koeln-Abenteuer nur halb so schoen gewesen waere, an Sabine & Thomas fuer die spontane "Kopierhilfe", an Martin fuer das interessante Gespraech und an Till fuer das Angebot mit dem Tape (das hoffentlich noch kommt)!

Wer noch nicht genug haben sollte, kann demnaechst hier mehr lesen ueber Helges lockeren Auftritt bei der Oscaruebertragung im Cinemaxx Essen mit Paul Kuhn und Band!

Oliver Kraemer