Wunderkalte Welt des Schwachsinns

Helge Schneider gastierte mit "Plautze voll" am Elbufer

Mit seiner "Plautze voll"-Tournee bereitete Helge Schneider am Dienstag den diesjährigen Filmnächten am Elbufer ein würdiges, aber leider kein ruhmreiches Ende. Das Konzert begann furios in alter Helge-Manier, gegen Ende aber hatte der Künstler wohl selbst die Plautze voll.

Dresden. Kurz vor 21 Uhr hält es die Fans nicht mehr auf den Stühlen. "Helge, Helge" schallt es in Richtung Bühne. Das Areal am Elbufer ist gut gefüllt, einige der rund 5000 Zuschauer haben keine Kosten gescheut, um ihrem "Idol" auch äußerlich in nichts nachzustehen: Perücken, Felljacken, Schlaghosen und eine Klobürste zieren die Witzbolde. Dann endlich geht die Show los. "Guten Tach! Schön, dass ihr, äh, dagewesen ward" lautete die offizielle Begrüßung durch 00 Schneider und schon lag das Publikum vor Lachen am Boden.

Der Einstieg war geschafft und nach ein paar beiläufigen Bemerkungen bezüglich des Wetters ("Das ist hier eines der schlechtesten Wetter hier in Dresden - deshalb sind wir hier.") und der dadurch schwer zu bändigenden Frisur ("Meine ganze Frisur geht durcheinander. Das ist zuviel!") folgten allseits bekannte und beliebte Hits wie etwa "Ich steh den ganzen Tag am Gartenzaun..." (... und wackel lustig mit den Augenbraun), "Texas", "Ich sitz zu Haus und drück die Maus", die "Wurstfachverkäuferin" und das vom Publikum energisch geforderte "Katzenklo". Mit von der Partie waren neben Teekoch Bodo, der dem Meister Huflattich-Tee servieren musste, zwei Musiker, die leider fast vollkommen im Hintergrund blieben.

Köstlich gerieten die Moderationen zwischen den Songs, bei denen sich Schneider entweder unumwunden brisanten politischen Themen widmete (Stichwort Arbeitslosigkeit: "Ihr seid doch alle im Urlaub! Hier haben vielleicht nur drei oder vier Leute Arbeit!"), Zwiegespräche mit einem imaginären Udo Lindenberg führte oder aus Werbebroschüren zitierte. Oft zwang akute Textschwäche den Entertainer, einige der Gassenhauer abrupt zu beenden, was aber der Stimmung vorerst keinen Abbruch tat.

Zu vorgerückter Stunde gingen Schneider so langsam die Gags aus. Das könnte man den niedrigen Temperaturen zuschreiben oder dem übermäßigen Genuss von Huflattich-Tee. Dafür bewies er mit einigen wenigen Jazz-Improvisationen endlich auch seine musikalischen Fähigkeiten. Davon hätte es ruhig mehr geben können, doch das Dresdner Publikum wollte vor allem den Komiker Schneider sehen. Die Stimmung stieg noch einmal gegen Ende bei der "Schmuddeloma", deren Tasche man nicht tragen sollte. Gegen 23 Uhr war dann nach einer kurzen Zugabe endgültig Schluss ("Ich kann nicht mehr, Tschüss!") und Helge Schneider verließ frierend und "mit einer Träne im Knopfloch" die Bühne.

Von A. Sohrmann und J. Pabst
Quelle: SZ-online

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